Hochsensibel - und was das mit dem Nervensystem zu tun hat.
Warum du nicht einfach „weniger sensibel“ sein kannst
Hochsensibilität ist keine Störung und auch kein Trendbegriff. Und es ist auch nichts, das man einfach ablegen kann. Sie beschreibt ein Persönlichkeitsmerkmal, bei dem Reize tiefer, differenzierter und oft intensiver verarbeitet werden. Das kann bereichernd sein – aber auch schnell überfordernd. Viele Betroffene kennen das Gefühl, „zu viel zu spüren“ oder schneller erschöpft zu sein als andere.
Was im Nervensystem passiert
Im Nervensystem spielt dabei unter anderem der Sympathikus eine zentrale Rolle – der Teil, der für Aktivierung und Reaktion auf mögliche Gefahr zuständig ist. Bei hochsensiblen Menschen zeigen sich Hinweise darauf, dass das Nervensystem schneller in Aktivierung geht. Der Sympathikus und Botenstoffe wie Noradrenalin spielen dabei eine Rolle und führen dazu, dass Reize schneller als relevant oder bedrohlich eingeordnet werden. Stimmungen, Geräusche oder kleine Veränderungen im Umfeld werden dadurch früher registriert und stärker gewichtet.
Wenn dieser sympathische Zustand häufig aktiviert ist, bleibt das Nervensystem länger in Anspannung. Die Reizschwelle kann sinken – das System reagiert schneller auf kleinere Auslöser und wird leichter überfordert.
Regulation beginnt im Körper
Rückzug und Reizreduktion können kurzfristig entlasten. Auf Dauer reicht das jedoch oft nicht aus.
Entscheidend ist, dass das Nervensystem wieder Sicherheit im Körper spüren kann – die Erfahrung, dass im Moment keine Gefahr da ist.
Wenn diese Sicherheit da ist, kann das Nervensystem vom sympathischen Aktivierungszustand in den parasympathischen Zustand wechseln – in den Teil, der für Ruhe, Verdauung und Regeneration zuständig ist.
Somatische Körperarbeit setzt genau hier an. Durch achtsame und gezielte Übungen entsteht wieder Kontakt nach innen. Mit der Zeit kann sich das Nervensystem beruhigen und die Wahrnehmung wird weniger überflutet.
Joan Miró, Dream Painting for Romeo and Juliet, 1927
Tiefer eintauchen mit NeuroSensitive Embodiment
Wenn dich dieses Thema anspricht und du mehr verstehen möchtest, wie dein Nervensystem funktioniert, was Hochsensibilität mit deinem Körper macht und welche konkreten Tools dir im Alltag helfen – dann besuche gerne unsere neue Workshop-Reihe oder buche eine Einzelsession in meiner Praxis in Zürich.
NeuroSensitive Embodiment ist ein neues Format, das ich zusammen mit der MBSR-Achtsamkeitslehrerin Alexa Lynn entwickelt habe. In kleinen Gruppen verbinden wir Theorieinput, somatische Übungen und gemeinsamen Austausch – damit du nicht nur verstehst was in dir passiert – sondern es auch körperlich erfahren kannst.
Der Basisworkshop führt ins Thema ein – der Vertiefungsworkshop baut darauf auf.