Hochsensibel - und was das mit dem Nervensystem zu tun hat.

Warum du nicht einfach „weniger sensibel“ sein kannst

Hochsensibilität ist keine Störung, keine Trenddiagnose – und auch kein Charakterzug, den man einfach ablegen kann. Sie ist neurobiologisch verankert: Etwa 15–20 % der Menschen verarbeiten Reize tiefer, differenzierter und umfassender als andere. Auch wenn das herausfordernd sein kann und man sich manchmal wünscht, es einfach „abzustellen“, lohnt es sich, sich mit der eigenen Hochsensibilität auseinanderzusetzen. Denn sie kann eine grosse Stärke und Ressource sein – wenn man lernt, gut damit umzugehen.

Was im Nervensystem passiert

Bei hochsensiblen Menschen ist die Konzentration von Noradrenalin – dem wichtigsten Neurotransmitter des Sympathikus – erhöht. Das bedeutet, dass das Gehirn Situationen schneller als potenziell bedrohlich einstuft.

Der Sympathikus wird aktiviert, die Sinneswahrnehmung schärft sich: Man hört intensiver, nimmt Stimmungen feiner wahr und registriert Details, die andere kaum wahrnehmen.

Je länger dieser Zustand anhält, desto mehr sinkt die Reizschwelle des Nervensystems. Es reagiert auf immer kleinere Auslöser. So entsteht ein Kreislauf, der sich ohne gezielte Regulation selbst verstärken und auf Dauer erschöpfen kann.

Regulation beginnt im Körper

Rückzug und Reizreduktion helfen kurzfristig, regulieren das Nervensystem jedoch meist nicht nachhaltig.

Was wirklich wirkt, ist oft weniger bekannt: das körperliche Erleben von Sicherheit. Nur wenn der Körper Sicherheit registriert, kann der Parasympathikus – der Zustand von Ruhe und Regeneration – aktiviert werden.

Somatische Körperarbeit setzt genau hier an. Durch kleine, präzise Bewegungen und gezielte Aufmerksamkeit richtet sich die Wahrnehmung von aussen nach innen. Das Nervensystem erhält ein neues Signal: nicht Alarm, sondern Sicherheit. Die Sinne beruhigen sich, und das System kann sich wieder regulieren.

Joan Miró, Dream Painting for Romeo and Juliet, 1927

Tiefer eintauchen mit NeuroSensitive Embodiment

Wenn dich dieses Thema anspricht und du mehr verstehen möchtest, wie dein Nervensystem funktioniert, was Hochsensibilität mit deinem Körper macht und welche konkreten Tools dir im Alltag helfen – dann besuche gerne unsere neue Workshop-Reihe oder buche eine Einzelsession in meiner Praxis in Zürich.

NeuroSensitive Embodiment ist neues Format, das ich zusammen mit der MBSR-Achtsamkeitslehrerin Alexa Lynn entwickelt habe. In kleinen Gruppen verbinden wir Theorieinput, somatische Körperübungen und gemeinsamen Austausch – damit du nicht nur verstehst was in dir passiert – sondern es auch wirklich spürst.

Der Basisworkshop führt ins Thema ein – der Vertiefungsworkshop baut darauf auf.

Basisworkshop: 06. Juni 2026
Vertiefungsworkshop: 10. Oktober 2026

10:30 – 13:30 Uhr im O-Tone Studio in Zürich

CHF 110.- pro Workshop / CHF 195.- für beide

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